ADDIS ABEBA – Als vielbeschäftigte junge Mutter von vier Kindern, die in einem abgelegenen Dorf in Äthiopien lebt, ist es Amina nicht immer möglich, ihre Termine in der Gesundheitsklinik wahrzunehmen, um sich dort ihr Verhütungsmittel injizieren zu lassen. Als die Klinikmitarbeiterin Selam sie über die verfügbaren Alternativen aufklärte, war Amina hocherfreut von einem reversiblen Verhütungsimplantat mit Langzeitwirkung zu erfahren, das regelmäßige Besuche überflüssig machen würde.
Selam stellte fest, dass sich immer mehr Frauen aus ähnlichen Gründen für Implantate mit Langzeitwirkung entschieden. Da in ihrer Klinik ein Versorgungsengpass bei diesen Implantaten herrschte, fürchtete sie, dass Verhütungsmittel, auf die Patientinnen wie Amina angewiesen waren, nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Leider ist die Situation in Selams Klinik kein Einzelfall: In ganz Äthiopien haben Gesundheitszentren mit Versorgungsproblemen zu kämpfen.
In Äthiopien nehmen mehr Frauen als je zuvor Leistungen rund um Familienplanung in Anspruch: die Verhütungsrate im Land stieg von 8 Prozent im Jahr 2000 sprunghaft auf 41Prozent im Jahr 2019 an. Unsere Regierung hat die Mittel für Familienplanung aufgestockt und sich auf die Ausweitung des Zugangs auf kommunaler Ebene konzentriert. Heute arbeiten 42.000 Gesundheitsfachkräfte auf insgesamt 18.000 eingerichteten Stellen. Das hat uns bemerkenswerte Fortschritte ermöglicht.
Doch unser Angebot an Verhütungsmitteln hat mit dieser ständig wachsenden Nachfrage nicht Schritt gehalten. Das Gesundheitsministerium, das Frauen wie Amina eine Reihe von kostenlosen Verhütungsmitteln zur Verfügung stellt, sieht sich mit einem landesweiten Mangel und einer großen Finanzierungslücke für Familienplanungsprodukte konfrontiert.
Damit ist Äthiopien nicht alleine. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fehlten im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Dollar für Verhütungsmittel - eine Finanzierungslücke, die hunderten Millionen Frauen und Mädchen den Zugang zu Methoden der Familienplanung verwehrt. Das führt unweigerlich zu mehr ungeplanten Schwangerschaften, gefährlichen Schwangerschaftsabbrüchen und Todesfällen bei Müttern.
Zudem bestehen gewaltige Hindernisse, wenn es um die Schließung dieser Finanzierungslücke geht. In Äthiopien und überall auf der Welt gilt es für Regierungen, eine stetig länger werdende Liste von Notwendigkeiten mit der Realität begrenzter Budgets in Einklang bringen. Die Gesundheit von Frauen und Mädchen, und insbesondere die Familienplanung, wird in schwierigen Zeiten zu oft - und allzu voreilig - auf die lange Bank geschoben, obwohl das fatale Folgen hat.
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Obwohl ich mit den schwierigen Abwägungen, die politisch Verantwortliche zu treffen haben, bestens vertraut bin, weiß ich auch um die immensen Vorteile, die sich ergeben, wenn sich der Staat konsequent für Familienplanung einsetzt. Studien haben beispielsweise ergeben, dass jeder in die Familienplanung investierte Dollar einen sozioökonomischen Ertrag von 8 Dollar bringt. Die Verringerung der Rate ungeplanter Schwangerschaften führt nämlich dazu, dass mehr Mütter und Babys die Geburt überleben, mehr Mädchen und Frauen die Schule besuchen und außer Haus arbeiten, und dass die Familien stärker und gesünder sind. Der Zugang zu Verhütungsmitteln setzt einen Kreislauf der Selbstbestimmung in Gang, der Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle zur Folge hat.
Deshalb setzen wir in Äthiopien zur Erweiterung unserer Ressourcen auf innovative Strategien zur Gesundheitsfinanzierung. Ziel ist es, die Finanzierungslücke kurzfristig zu schließen und langfristig die Eigenverantwortung des Landes zu stärken (und damit die Abhängigkeit von Gebern zu verringern).
Dazu haben das äthiopische Gesundheitsministerium und das Finanzministerium eine Ländervereinbarung mit dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) unterzeichnet. Vorgesehen ist, die Finanzierung der Familienplanung im Land schrittweise und nachhaltig zu erhöhen, um so die Anfangsunterstützung der Geberländer wirksam einzusetzen.
Eine zweite, ergänzende Finanzierungsstruktur ermöglicht es uns nun, die Mittel für Familienplanungsprodukte auf Grundlage einer Partnerschaftsvereinbarung zu erhöhen, die von der äthiopischen Regierung, der Bill & Melinda Gates Foundation, der David and Lucile Packard Foundation, der Susan Thompson Buffett Foundation, USAID Ethiopia und den Niederlanden unterzeichnet wurde. Über einen Zeitraum von drei Jahren wird die äthiopische Regierung ihre Ausgaben für Verhütungsmittel verdreifachen und insgesamt 11,1 Millionen Dollar bereitstellen, die von den erwähnten Gebern verdoppelt werden. Dabei handelt es sich um die größte Investition in die Familienplanung, die Äthiopien in den letzten 20 Jahren getätigt hat und mit der kollektiven Finanzierung durch die Geber werden fast 70 Prozent des geschätzten Finanzierungsdefizits im Bereich Verhütungsmittel abgedeckt.
Bemerkenswert ist, dass diese Vereinbarungen in einer Zeit getroffen wurden, in der Äthiopien mit Konflikten, klimabedingten Dürren und Überschwemmungen sowie Krankheitsausbrüchen konfrontiert war. Wir sind uns bewusst, dass Familienplanung in Zeiten der Not noch vordringlicher ist. Unser Erfolg beweist die Bedeutung der Zusammenarbeit, zeigt aber auch, dass verstärkte Investitionen in Familienplanung auch unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen möglich sind.
Freilich ist die ausreichende Versorgung mit Verhütungsmitteln nur ein Teil des Gesamtkonzepts. Um die Versorgung mit Programmen zur Familienplanung zu verbessern, gilt es, noch mehr Menschen zu erreichen, unser Gesundheitssystem zu stärken sowie Frauen und Mädchen in Äthiopien die Möglichkeit einer adäquaten Versorgung zu geben.
Die Schließung der Finanzierungslücke für Verhütungsmittel ist jedoch ein entscheidender erster Schritt. Fortschritte können vor allem dann erzielt werden, wenn staatliche Stellen zusammenarbeiten - wie es das äthiopische Gesundheits- und Finanzministerium getan haben - und wirksam mit den Gebern kooperieren. Gemeinsam lässt sich erreichen, was niemand auf sich allein gestellt schaffen kann. So kommen wir unserem gemeinsamen Ziel einer echten öffentlichen Gesundheitsversorgung unter Führung des eigenen Landes näher.
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Donald Trump’s attempt to reindustrialize the US economy by eliminating trade deficits will undoubtedly cause pain and disruption on a massive scale. But it is important to remember that both major US political parties have abandoned free trade in pursuit of similar goals.
argues that America’s protectionist policies reflect a global economic reordering that was already underway.
Donald Trump and Elon Musk's reign of disruption is crippling research universities’ ability to serve as productive partners in innovation, thus threatening the very system that they purport to celebrate. The Chinese, who are increasingly becoming frontier innovators in their own right, will be forever grateful.
warns that the pillars of US dynamism and competitiveness are being systematically toppled.
ADDIS ABEBA – Als vielbeschäftigte junge Mutter von vier Kindern, die in einem abgelegenen Dorf in Äthiopien lebt, ist es Amina nicht immer möglich, ihre Termine in der Gesundheitsklinik wahrzunehmen, um sich dort ihr Verhütungsmittel injizieren zu lassen. Als die Klinikmitarbeiterin Selam sie über die verfügbaren Alternativen aufklärte, war Amina hocherfreut von einem reversiblen Verhütungsimplantat mit Langzeitwirkung zu erfahren, das regelmäßige Besuche überflüssig machen würde.
Selam stellte fest, dass sich immer mehr Frauen aus ähnlichen Gründen für Implantate mit Langzeitwirkung entschieden. Da in ihrer Klinik ein Versorgungsengpass bei diesen Implantaten herrschte, fürchtete sie, dass Verhütungsmittel, auf die Patientinnen wie Amina angewiesen waren, nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Leider ist die Situation in Selams Klinik kein Einzelfall: In ganz Äthiopien haben Gesundheitszentren mit Versorgungsproblemen zu kämpfen.
In Äthiopien nehmen mehr Frauen als je zuvor Leistungen rund um Familienplanung in Anspruch: die Verhütungsrate im Land stieg von 8 Prozent im Jahr 2000 sprunghaft auf 41Prozent im Jahr 2019 an. Unsere Regierung hat die Mittel für Familienplanung aufgestockt und sich auf die Ausweitung des Zugangs auf kommunaler Ebene konzentriert. Heute arbeiten 42.000 Gesundheitsfachkräfte auf insgesamt 18.000 eingerichteten Stellen. Das hat uns bemerkenswerte Fortschritte ermöglicht.
Doch unser Angebot an Verhütungsmitteln hat mit dieser ständig wachsenden Nachfrage nicht Schritt gehalten. Das Gesundheitsministerium, das Frauen wie Amina eine Reihe von kostenlosen Verhütungsmitteln zur Verfügung stellt, sieht sich mit einem landesweiten Mangel und einer großen Finanzierungslücke für Familienplanungsprodukte konfrontiert.
Damit ist Äthiopien nicht alleine. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fehlten im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Dollar für Verhütungsmittel - eine Finanzierungslücke, die hunderten Millionen Frauen und Mädchen den Zugang zu Methoden der Familienplanung verwehrt. Das führt unweigerlich zu mehr ungeplanten Schwangerschaften, gefährlichen Schwangerschaftsabbrüchen und Todesfällen bei Müttern.
Zudem bestehen gewaltige Hindernisse, wenn es um die Schließung dieser Finanzierungslücke geht. In Äthiopien und überall auf der Welt gilt es für Regierungen, eine stetig länger werdende Liste von Notwendigkeiten mit der Realität begrenzter Budgets in Einklang bringen. Die Gesundheit von Frauen und Mädchen, und insbesondere die Familienplanung, wird in schwierigen Zeiten zu oft - und allzu voreilig - auf die lange Bank geschoben, obwohl das fatale Folgen hat.
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Deshalb setzen wir in Äthiopien zur Erweiterung unserer Ressourcen auf innovative Strategien zur Gesundheitsfinanzierung. Ziel ist es, die Finanzierungslücke kurzfristig zu schließen und langfristig die Eigenverantwortung des Landes zu stärken (und damit die Abhängigkeit von Gebern zu verringern).
Dazu haben das äthiopische Gesundheitsministerium und das Finanzministerium eine Ländervereinbarung mit dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) unterzeichnet. Vorgesehen ist, die Finanzierung der Familienplanung im Land schrittweise und nachhaltig zu erhöhen, um so die Anfangsunterstützung der Geberländer wirksam einzusetzen.
Eine zweite, ergänzende Finanzierungsstruktur ermöglicht es uns nun, die Mittel für Familienplanungsprodukte auf Grundlage einer Partnerschaftsvereinbarung zu erhöhen, die von der äthiopischen Regierung, der Bill & Melinda Gates Foundation, der David and Lucile Packard Foundation, der Susan Thompson Buffett Foundation, USAID Ethiopia und den Niederlanden unterzeichnet wurde. Über einen Zeitraum von drei Jahren wird die äthiopische Regierung ihre Ausgaben für Verhütungsmittel verdreifachen und insgesamt 11,1 Millionen Dollar bereitstellen, die von den erwähnten Gebern verdoppelt werden. Dabei handelt es sich um die größte Investition in die Familienplanung, die Äthiopien in den letzten 20 Jahren getätigt hat und mit der kollektiven Finanzierung durch die Geber werden fast 70 Prozent des geschätzten Finanzierungsdefizits im Bereich Verhütungsmittel abgedeckt.
Bemerkenswert ist, dass diese Vereinbarungen in einer Zeit getroffen wurden, in der Äthiopien mit Konflikten, klimabedingten Dürren und Überschwemmungen sowie Krankheitsausbrüchen konfrontiert war. Wir sind uns bewusst, dass Familienplanung in Zeiten der Not noch vordringlicher ist. Unser Erfolg beweist die Bedeutung der Zusammenarbeit, zeigt aber auch, dass verstärkte Investitionen in Familienplanung auch unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen möglich sind.
Freilich ist die ausreichende Versorgung mit Verhütungsmitteln nur ein Teil des Gesamtkonzepts. Um die Versorgung mit Programmen zur Familienplanung zu verbessern, gilt es, noch mehr Menschen zu erreichen, unser Gesundheitssystem zu stärken sowie Frauen und Mädchen in Äthiopien die Möglichkeit einer adäquaten Versorgung zu geben.
Die Schließung der Finanzierungslücke für Verhütungsmittel ist jedoch ein entscheidender erster Schritt. Fortschritte können vor allem dann erzielt werden, wenn staatliche Stellen zusammenarbeiten - wie es das äthiopische Gesundheits- und Finanzministerium getan haben - und wirksam mit den Gebern kooperieren. Gemeinsam lässt sich erreichen, was niemand auf sich allein gestellt schaffen kann. So kommen wir unserem gemeinsamen Ziel einer echten öffentlichen Gesundheitsversorgung unter Führung des eigenen Landes näher.