krueger85_Justin SullivanGetty Images_UScarstrade Justin Sullivan/Getty Images

Der Tariff Man legt noch eins drauf

WASHINGTON, DC – US-Präsident Donald Trump ist seit langem ein entschiedener Befürworter von Einfuhrzöllen. Stolz bezeichnet er sich als „Tariff Man“ (Mann der Zölle) und behauptet, „tariff“ sei das schönste Wort im englischen Wörterbuch. Während seiner ersten Amtszeit sorgte Trump für erhebliche Verwerfungen im multilateralen Handelssystem, als er die Zölle auf chinesische Importe erhöhte und die Welthandelsorganisation torpedierte. Doch das Ausmaß und die Tragweite der von ihm seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus verhängten Zölle schockieren die Welt.

Verteidiger der Handelspolitik Trumps machen geltend, dass es sich bei seinen Zollandrohungen lediglich um Verhandlungstaktik handele und diese letztlich der US-Wirtschaft zugutekommen würden. Seine jüngsten Maßnahmen – darunter sein Plan, Gegenzölle im Ausmaß der von anderen Ländern auf US-Waren erhobenen Zölle einzuführen – deuten jedoch darauf hin, dass er sich im Gegensatz zu seiner ersten Amtszeit voll und ganz seiner protektionistischen Handelsagenda verschrieben hat.

Trumps eigentliches Ziel bleibt jedoch unklar. Er scheint der zutiefst irrigen Vorstellung anzuhängen, dass Importe von Natur aus schädlich sind. In Anlehnung an den französischen Ökonomen Frédéric Bastiat lässt sich sagen: Wenn Exporte gut und Importe schlecht sind, dann sollten die Frachtschiffe der Welt mit Ausfuhren beladen auf See geschickt werden, um ihre Fracht dort über Bord zu werfen.

Aus globaler Sicht richten Zölle meist mehr Schaden an als sie nutzen. Während einige behaupten, sie würden zur nationalen Sicherheit beitragen, ist es in Wirklichkeit so, dass Zölle die Kosten in die Höhe treiben und die Qualität der inländischen Produktion senken, wodurch genau die Volkswirtschaften geschwächt werden, die sie eigentlich schützen sollen.

Man denke beispielsweise an den Schiffbau. Der Bau eines mittelgroßen Hochseeschiffs kostet in den USA vier- bis sechsmal so viel wie in Japan oder Südkorea. Ein Schiff, dessen Bau in China 55 Millionen US-Dollar kostet, würde in den USA 333 Millionen US-Dollar verschlingen. Manch einer mag diese Kostenunterschiede mit nationaler Sicherheit rechtfertigen, aber man muss sich fragen: Wäre die US-Marine nicht viel stärker, wenn sie durch den Kauf im Ausland viermal so viele Schiffe erwerben könnte?

Ökonominnen und Ökonomen haben Trumps Handelsagenda zu Recht kritisiert. Viele Trump-Anhänger glauben jedoch fälschlicherweise, dass Amerikas Handelspartner die Hauptlast seiner Zölle tragen werden. In Wirklichkeit wird die wirtschaftliche Belastung für die USA sogar noch größer sein und voraussichtlich weiter zunehmen. Neben den unerschwinglich hohen Kosten, die entstehen, wenn Importe durch inländische Produktion ersetzt werden, treiben Vergeltungszölle die Kosten für importierte Waren mit Sicherheit in die Höhe.

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Abgesehen von diesen direkten Kosten haben die Politik und die Rhetorik der Trump-Regierung bei amerikanischen Herstellern und Verbrauchern für Unsicherheit gesorgt. Da etwa zwei Drittel der US-Importe aus Rohstoffen bestehen, die für die inländische Produktion unverzichtbar sind, müssen sich die Hersteller nun auf steigende Kosten für kritische Vorleistungen einstellen. Viele sind bereits dabei, sich alternative Lieferanten zu sichern – oft zu höheren Preisen – oder Vorräte anzulegen, um sich gegen künftige Unterbrechungen abzusichern.

Verschärft werden diese Herausforderungen noch dadurch, dass es bei Lieferungen, die sich bereits auf dem Weg in die USA befinden, zu Verzögerungen und höheren Zollgebühren kommen kann. Folglich schieben Unternehmen Investitionsentscheidungen auf und warten auf mehr Klarheit, bevor sie sich auf langfristige Pläne festlegen.

Diese politische Unsicherheit fordert einen besonders hohen Tribut von amerikanischen Wirtschaftszweigen, die auf ausländische Produzenten angewiesen sind. So hat Trump beispielsweise damit gedroht, einen schwindelerregenden Zoll von 200 Prozent auf alkoholische Getränke zu erheben, die aus der Europäischen Union importiert werden. Als Reaktion darauf haben Lobbybemühungen von Unternehmen, die Ausnahmen anstreben, stark zugenommen.

Höhere Kosten für Vorleistungen führen unweigerlich zu Arbeitsplatzverlusten in Branchen, die auf diese Materialien angewiesen sind. Trumps Zölle bringen die US-Autoindustrie bereits in Bedrängnis und könnten den Preis jedes Neuwagens um tausende Dollar in die Höhe treiben. Und da der Bau eines neuen Automobilwerks in den USA bis zu sieben Jahre dauern könnte, ist eine deutliche Steigerung der inländischen Produktion noch Jahre entfernt.

Diese Disruptionen könnten weitreichende makroökonomische Folgen haben. Das Verbrauchervertrauen in den USA ist auf den niedrigsten Stand seit 2022 gesunken. Dies ist vor allem auf die Befürchtung zurückzuführen, dass Trumps protektionistische Politik die Inflation ankurbeln wird. Unterdessen hat sein Handelskrieg einen Ausverkauf an den Aktienmärkten ausgelöst, da sich die Anleger Sorgen hinsichtlich der Auswirkungen auf die heimischen Unternehmen und des potenziellen Verlusts wichtiger Handelspartnerschaften machen.

Ironischerweise spielten Trumps Versprechen, die Inflation einzudämmen, eine wichtige Rolle für seinen Wahlsieg. Doch wie die Wirtschaftswissenschaftler Mickey D. Levy und Michael D. Bordo anmerken, werden höhere Zölle den gegenteiligen Effekt haben – sie werden die Wirtschaftstätigkeit bremsen, die Arbeitslosigkeit erhöhen und die Verbraucherpreise noch weiter in die Höhe treiben.

Es verwundert nicht, dass sich die Aussichten für die US-Wirtschaft zunehmend eintrüben. Die OECD hat kürzlich ihre Wachstumsprognosen für die USA nach unten korrigiert und warnt davor, dass der „Handelskonflikt“ die Wirtschaftstätigkeit abwürgen und zu einer höheren Inflation führen könnte. Das US-Wachstum wird sich voraussichtlich von 2,8 Prozent im Jahr 2024 auf 2,2 Prozent im Jahr 2025 und 1,6 Prozent im Jahr 2026 verlangsamen. Die Aussichten für Kanada und Mexiko – die vorrangigen Ziele der Trump-Zölle – stellen sich noch düsterer dar: Das kanadische Wachstum wird sich voraussichtlich auf 0,7 Prozent verlangsamen und Mexiko könnte in eine Rezession geraten.

Die Folgen von Trumps rücksichtslosem Handelskrieg reichen jedoch weit über Nordamerika hinaus. Die OECD hat auch ihre globale Wachstumsprognose angepasst und geht von einer Verlangsamung von 3,2 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,1 Prozent im Jahr 2025 und 3 Prozent im Jahr 2026 aus.

Ob dieser Trend noch umkehrbar ist, scheint fraglich. Die durch Trumps Politik verursachte Unsicherheit könnte die USA in eine Rezession stürzen – ein Szenario, das immer wahrscheinlicher erscheint – während Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder den Schaden noch vergrößern werden. Angesichts des wachsenden Risikos einer weiteren Eskalation könnten sich die Prognosen der OECD im Nachhinein als erschreckend optimistisch erweisen.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

https://prosyn.org/NhpO3OHde