NEW YORK – Die finanziellen Probleme Griechenlands sind, wie ich viele Male angeführt habe, nur die Spitze eines globalen Eisbergs. Denn die nächste Folge der jüngsten globalen Finanzkrise wird ein steigendes Länderrisiko sein, insbesondere in Industrieländern, die massive Haushaltsdefizite haben und hohe öffentliche Schuldenberge anhäufen, indem sie private finanzielle Verluste verstaatlichen, um das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln.
Tatsächlich deutet die Geschichte darauf hin, dass schwere Rezessionen und die Verstaatlichung privater Verluste häufig zu einer unhaltbaren Zunahme der Staatsverschuldung führen. Ferner folgt auf Finanzkrisen, die durch übermäßige Schulden und Fremdfinanzierung im Privatsektor ausgelöst werden, nach ein paar Jahren häufig die Zahlungsunfähigkeit von Staaten und/oder eine hohe Inflation, um den realen Wert der Staatsschulden wegzuwischen.
Griechenland stellt zudem eine frühe Warnung für die Eurozone dar, in der alle PIIGS-Volkswirtschaften (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) an dem Doppelproblem der Tragfähigkeit von Staatsverschuldung und Auslandsverschuldung leiden. Die Einführung des Euro und der zuversichtliche „Konvergenzhandel“ erhöhten die Renditen für Anleihen in diesen Ländern auf das Niveau der deutschen Bundesanleihen, wobei der anschließende Kreditboom eine übermäßige Zunahme des Konsums förderte.
Die meisten dieser Wirtschaftsnationen litten darunter, dass sie ihre Exportmärkte an Asien mit seinen niedrigen Löhnen verloren. Ein Jahrzehnt, in dem das Lohnwachstum die Produktivitätssteigerung überstieg, hat zu einer realen Wechselkursaufwertung, dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und großen Haushaltsdefiziten geführt.
In Spanien und Irland hat ein Immobilienboom die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte noch verschärft, indem er die inländische Ersparnis verringerte, den Konsum aufblähte und Wohnungsbauinvestitionen erhöhte. Die Aufwertung des Euro in den letzten Jahren – die zum Teil durch die übermäßig straffe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gefördert wurde – war der letzte Nagel im Sarg der Wettbewerbsfähigkeit.
Daher ist nicht nur eine bloße fiskalische Korrektur notwendig, sondern eine Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, um ein nachhaltiges Wachstum wiederzubeleben. Es gibt nur drei Möglichkeiten, dies zu erreichen. Ein Jahrzehnt der Deflation würde funktionieren, doch wäre es von wirtschaftlicher Stagnation begleitet und somit – wie in Argentinien Anfang des letzten Jahrzehnts – politisch unhaltbar, da es in einer Abwertung (Ausscheiden aus dem Euro) und Zahlungsunfähigkeit münden könnte. Der richtige Ansatz ist, Strukturreformen zu beschleunigen, die die Produktivität erhöhen, während sie das Wachstum der privaten Löhne in Schach halten, doch ist dies politisch ebenso schwer umzusetzen.
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Andernfalls wäre auch ein schwächerer Euro möglich, wenn die EZB bereit wäre – ziemlich unwahrscheinlich – ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um eine reale Abwertung zu ermöglichen. Doch würde ein schwächerer Euro die benötigten Strukturreformen nicht überflüssig machen; sonst würden die Vorteile vor allem Ländern wie Deutschland zugute kommen, die schmerzliche Reformen durchgeführt haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine Senkung der relativen Lohnstückkosten wiederherzustellen.
Ein Schattenprogramm oder tatsächliches Programm des Internationalen Währungsfonds würde die Glaubwürdigkeit einer Politik der Haushaltskürzungen und Strukturreformen wesentlich steigern. Im ersten Fall würde die Europäische Kommission fiskalische und strukturelle Konditionalitäten für Griechenland stellen, während die EU und/oder die EZB finanzielle Mittel bereitstellen würden, die absolut notwendig wären, da nicht einmal die Ankündigung eines optimal konzipierten Reformprogramms ausreichen würde, um die verlorene politische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Die Märkte werden skeptisch bleiben, vor allem wenn die Umsetzung zu Demonstrationen, Unruhen, Streiks und Verzögerungen durch das Parlament führt. Angesichts des dauerhaften Haushaltsdefizits und der Notwendigkeit, fällige Schulden umzuschulden, bliebe das Risiko eines Spekulationsangriffs auf die Staatsverschuldung bestehen, bis die Glaubwürdigkeit wiederhergestellt ist. Dies spiegelt sich in der aktuellen Erhöhung der Credit Default Swap Spreads wider.
Da die Europäische Union in der Vergangenheit keine Konditionalitäten aufgestellt hat und eine Finanzierung durch die EZB als eine Form von Rettungspaket wahrgenommen werden könnte, wäre ein offizielles IWF-Programm der bessere Ansatz. Die erfolgreichsten Programme, die angesichts des Risikos einer Finanzierungskrise bei Haushaltsschulden und/oder außenwirtschaftlichen Schulden durchgeführt wurden, waren die, bei denen der IWF – wie in Mexiko, der Türkei und Brasilien – mit einem großen Beitrag an Liquidität/Finanzhilfe ein zunehmend glaubhaftes Bekenntnis zu Korrekturen und Reformen unterstützte.
Kreditbürgschaften von Deutschland und/oder der EU sind weniger wünschenswert als ein IWF-Programm, da es äußerst schwer ist, Konditionalitäten für solche Bürgschaften zu stellen und durchzusetzen. Die IWF-Hilfe wird jedoch in Tranchen ausgezahlt und ist daran gebunden, dass verschiedene politische Ziele im Laufe der Zeit erreicht werden.
Die griechischen Behörden und die EU hatten bis vor Kurzem bestritten, dass Finanzhilfen notwendig wären, da sie befürchteten, dies würde Schwäche signalisieren und ein Stigma schaffen. Das war ein schwerer Fehler. Ohne Finanzierung sind fiskalische Korrekturen und Strukturreformen weniger stabil und scheitern eher, wenn es keine „Kriegskasse“ mit liquiden Mitteln gibt, um einen Ansturm auf die Staatsverschuldung zu verhindern, während die entsprechenden politischen Maßnahmen durchgeführt werden und allmählich an Glaubwürdigkeit gewinnen.
Doch wenn Griechenland seine Politik nicht vollständig dahingehend korrigiert, seinen Haushalt zu sanieren und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, bleibt ein Teilrettungspaket der EU und EZB weiterhin wahrscheinlich, um das Risiko einer Ansteckung des übrigen Europas und die daraus folgende Bedrohung für das Weiterbestehen der Währungsunion zu verhindern. Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands könnte schließlich dieselben globalen systemischen Auswirkungen haben wie der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008.
Die Länderrisikoprämien beziffern bereits den Preis für das Risiko eines Dominoeffekts von Griechenland auf Spanien, Portugal und andere Euroländer. Die EU und die EZB machen sich Sorgen, dass ein „Rettungspaket“ zur überhöhten Risikobereitschaft beitragen könnte. Doch genau aus diesem Grunde ist ein glaubhaftes IWF-Programm, das die Finanzhilfen an progressive Fortschritte bei den Haushalts- und Strukturreformzielen bindet, der richtige Weg, um Griechenland und die anderen PIIGS das Fliegen zu lehren.
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US Treasury Secretary Scott Bessent’s defense of President Donald Trump’s trade tariffs as a step toward “rebalancing” the US economy misses the point. While some economies, like China and Germany, need to increase domestic spending, the US needs to increase national saving.
thinks US Treasury Secretary Scott Bessent is neglecting the need for spending cuts in major federal programs.
China’s prolonged reliance on fiscal stimulus has distorted economic incentives, fueling a housing glut, a collapse in prices, and spiraling public debt. With further stimulus off the table, the only sustainable path is for the central government to relinquish more economic power to local governments and the private sector.
argues that the country’s problems can be traced back to its response to the 2008 financial crisis.
NEW YORK – Die finanziellen Probleme Griechenlands sind, wie ich viele Male angeführt habe, nur die Spitze eines globalen Eisbergs. Denn die nächste Folge der jüngsten globalen Finanzkrise wird ein steigendes Länderrisiko sein, insbesondere in Industrieländern, die massive Haushaltsdefizite haben und hohe öffentliche Schuldenberge anhäufen, indem sie private finanzielle Verluste verstaatlichen, um das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln.
Tatsächlich deutet die Geschichte darauf hin, dass schwere Rezessionen und die Verstaatlichung privater Verluste häufig zu einer unhaltbaren Zunahme der Staatsverschuldung führen. Ferner folgt auf Finanzkrisen, die durch übermäßige Schulden und Fremdfinanzierung im Privatsektor ausgelöst werden, nach ein paar Jahren häufig die Zahlungsunfähigkeit von Staaten und/oder eine hohe Inflation, um den realen Wert der Staatsschulden wegzuwischen.
Griechenland stellt zudem eine frühe Warnung für die Eurozone dar, in der alle PIIGS-Volkswirtschaften (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) an dem Doppelproblem der Tragfähigkeit von Staatsverschuldung und Auslandsverschuldung leiden. Die Einführung des Euro und der zuversichtliche „Konvergenzhandel“ erhöhten die Renditen für Anleihen in diesen Ländern auf das Niveau der deutschen Bundesanleihen, wobei der anschließende Kreditboom eine übermäßige Zunahme des Konsums förderte.
Die meisten dieser Wirtschaftsnationen litten darunter, dass sie ihre Exportmärkte an Asien mit seinen niedrigen Löhnen verloren. Ein Jahrzehnt, in dem das Lohnwachstum die Produktivitätssteigerung überstieg, hat zu einer realen Wechselkursaufwertung, dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und großen Haushaltsdefiziten geführt.
In Spanien und Irland hat ein Immobilienboom die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte noch verschärft, indem er die inländische Ersparnis verringerte, den Konsum aufblähte und Wohnungsbauinvestitionen erhöhte. Die Aufwertung des Euro in den letzten Jahren – die zum Teil durch die übermäßig straffe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gefördert wurde – war der letzte Nagel im Sarg der Wettbewerbsfähigkeit.
Daher ist nicht nur eine bloße fiskalische Korrektur notwendig, sondern eine Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, um ein nachhaltiges Wachstum wiederzubeleben. Es gibt nur drei Möglichkeiten, dies zu erreichen. Ein Jahrzehnt der Deflation würde funktionieren, doch wäre es von wirtschaftlicher Stagnation begleitet und somit – wie in Argentinien Anfang des letzten Jahrzehnts – politisch unhaltbar, da es in einer Abwertung (Ausscheiden aus dem Euro) und Zahlungsunfähigkeit münden könnte. Der richtige Ansatz ist, Strukturreformen zu beschleunigen, die die Produktivität erhöhen, während sie das Wachstum der privaten Löhne in Schach halten, doch ist dies politisch ebenso schwer umzusetzen.
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Andernfalls wäre auch ein schwächerer Euro möglich, wenn die EZB bereit wäre – ziemlich unwahrscheinlich – ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um eine reale Abwertung zu ermöglichen. Doch würde ein schwächerer Euro die benötigten Strukturreformen nicht überflüssig machen; sonst würden die Vorteile vor allem Ländern wie Deutschland zugute kommen, die schmerzliche Reformen durchgeführt haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine Senkung der relativen Lohnstückkosten wiederherzustellen.
Ein Schattenprogramm oder tatsächliches Programm des Internationalen Währungsfonds würde die Glaubwürdigkeit einer Politik der Haushaltskürzungen und Strukturreformen wesentlich steigern. Im ersten Fall würde die Europäische Kommission fiskalische und strukturelle Konditionalitäten für Griechenland stellen, während die EU und/oder die EZB finanzielle Mittel bereitstellen würden, die absolut notwendig wären, da nicht einmal die Ankündigung eines optimal konzipierten Reformprogramms ausreichen würde, um die verlorene politische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Die Märkte werden skeptisch bleiben, vor allem wenn die Umsetzung zu Demonstrationen, Unruhen, Streiks und Verzögerungen durch das Parlament führt. Angesichts des dauerhaften Haushaltsdefizits und der Notwendigkeit, fällige Schulden umzuschulden, bliebe das Risiko eines Spekulationsangriffs auf die Staatsverschuldung bestehen, bis die Glaubwürdigkeit wiederhergestellt ist. Dies spiegelt sich in der aktuellen Erhöhung der Credit Default Swap Spreads wider.
Da die Europäische Union in der Vergangenheit keine Konditionalitäten aufgestellt hat und eine Finanzierung durch die EZB als eine Form von Rettungspaket wahrgenommen werden könnte, wäre ein offizielles IWF-Programm der bessere Ansatz. Die erfolgreichsten Programme, die angesichts des Risikos einer Finanzierungskrise bei Haushaltsschulden und/oder außenwirtschaftlichen Schulden durchgeführt wurden, waren die, bei denen der IWF – wie in Mexiko, der Türkei und Brasilien – mit einem großen Beitrag an Liquidität/Finanzhilfe ein zunehmend glaubhaftes Bekenntnis zu Korrekturen und Reformen unterstützte.
Kreditbürgschaften von Deutschland und/oder der EU sind weniger wünschenswert als ein IWF-Programm, da es äußerst schwer ist, Konditionalitäten für solche Bürgschaften zu stellen und durchzusetzen. Die IWF-Hilfe wird jedoch in Tranchen ausgezahlt und ist daran gebunden, dass verschiedene politische Ziele im Laufe der Zeit erreicht werden.
Die griechischen Behörden und die EU hatten bis vor Kurzem bestritten, dass Finanzhilfen notwendig wären, da sie befürchteten, dies würde Schwäche signalisieren und ein Stigma schaffen. Das war ein schwerer Fehler. Ohne Finanzierung sind fiskalische Korrekturen und Strukturreformen weniger stabil und scheitern eher, wenn es keine „Kriegskasse“ mit liquiden Mitteln gibt, um einen Ansturm auf die Staatsverschuldung zu verhindern, während die entsprechenden politischen Maßnahmen durchgeführt werden und allmählich an Glaubwürdigkeit gewinnen.
Doch wenn Griechenland seine Politik nicht vollständig dahingehend korrigiert, seinen Haushalt zu sanieren und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, bleibt ein Teilrettungspaket der EU und EZB weiterhin wahrscheinlich, um das Risiko einer Ansteckung des übrigen Europas und die daraus folgende Bedrohung für das Weiterbestehen der Währungsunion zu verhindern. Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands könnte schließlich dieselben globalen systemischen Auswirkungen haben wie der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008.
Die Länderrisikoprämien beziffern bereits den Preis für das Risiko eines Dominoeffekts von Griechenland auf Spanien, Portugal und andere Euroländer. Die EU und die EZB machen sich Sorgen, dass ein „Rettungspaket“ zur überhöhten Risikobereitschaft beitragen könnte. Doch genau aus diesem Grunde ist ein glaubhaftes IWF-Programm, das die Finanzhilfen an progressive Fortschritte bei den Haushalts- und Strukturreformzielen bindet, der richtige Weg, um Griechenland und die anderen PIIGS das Fliegen zu lehren.